Netzebene und Lastprofil beantworten zwei verschiedene Fragen. Die Netzebene sagt, wo eine Anlage ans Stromnetz angeschlossen ist, gegliedert nach Spannung. Das Lastprofil sagt, wie sich der Verbrauch über den Tag und das Jahr verteilt. Beide Angaben stehen auf der Netzrechnung, und beide bestimmen mit, was Strom am Ende kostet: die Netzebene legt die Höhe der Netzentgelte fest, das Lastprofil legt fest, wie der Verbrauch gemessen und verrechnet wird.

Was ist eine Netzebene?

§ 63 ElWOG 2010 teilt das österreichische Stromnetz in sieben Netzebenen. Die Zählung läuft dabei umgekehrt zur Spannung: Netzebene 1 ist die höchste Spannungsebene, Netzebene 7 die niedrigste. Die ungeraden Ebenen sind Leitungsnetze, die geraden dazwischen bezeichnen die Umspannung von einer Spannung auf die nächste.

NetzebeneBereichTypische Anschlüsse
1Höchstspannung, 380 und 220 kVÜbertragungsnetz, Großkraftwerke
2Umspannung Höchst- auf Hochspannung
3Hochspannung, 110 kVIndustrie, regionale Verteilernetze
4Umspannung Hoch- auf Mittelspannung
5Mittelspannung, über 1 bis 36 kVGewerbe- und Industriebetriebe mit Trafostation
6Umspannung Mittel- auf Niederspannung
7Niederspannung, bis 1.000 VoltHaushalte, kleine Betriebe

Haushalte hängen praktisch immer auf Netzebene 7. Ein Gewerbebetrieb mit eigener Trafostation bezieht auf Netzebene 5, große Industrieanlagen teils direkt auf Netzebene 3.

Für die Kosten zählt die Kostenwälzung: Wer unten angeschlossen ist, nutzt alle Ebenen darüber mit und zahlt deren Kosten anteilig. Die Netzentgelte pro kWh sind deshalb auf Netzebene 7 am höchsten und sinken mit jeder höheren Anschlussebene. Derselbe Jahresverbrauch kostet auf Netzebene 5 deutlich weniger Netzentgelt als auf Netzebene 7.

Was ist ein Lastprofil?

Ein Lastprofil ist der Verlauf des Stromverbrauchs in Viertelstundenwerten. Bei Gas wird stündlich gemessen. Damit lässt sich sagen, wann eine Anlage wie viel Leistung zieht: die Bäckerei ab 3 Uhr früh, der Haushalt abends, die Straßenbeleuchtung nachts.

Gemessen wird dieser Verlauf aber nicht bei allen. Ein Lastprofilzähler ist bei Strom erst ab einem Jahresverbrauch über 100.000 kWh und einer Anschlussleistung über 50 kW vorgeschrieben, bei Gas ab 400.000 kWh pro Jahr. Für alle darunter wäre der Aufwand unverhältnismäßig. Ihnen wird stattdessen ein standardisiertes Lastprofil zugeordnet: ein synthetischer Durchschnittsverlauf, differenziert nach Werktag, Samstag und Sonntag sowie den Jahreszeiten Winter, Sommer und Übergangszeit.

In Österreich gibt es rund 27 solcher Profile. Die wichtigsten: H0 für Haushalte, G0 bis G7 für Gewerbe (vom Allgemeingewerbe bis zur Bäckerei mit Nachtbetrieb), L0 bis L2 für Landwirtschaft, dazu Profile für unterbrechbare Lieferungen wie Nachtspeicherheizungen, E0 und E1 für Einspeiser wie Photovoltaikanlagen und B1 für die Straßenbeleuchtung.

Gebraucht werden die Profile für die Bilanzierung. Strom muss in jeder Viertelstunde in gleicher Menge erzeugt und verbraucht werden, und die Lieferanten müssen dafür im Voraus planen. Die Verrechnungsstelle APCS gleicht die Prognosen der Bilanzgruppen mit den tatsächlichen Werten ab; nach der Jahresablesung folgt ein zweites Clearing auf Basis der Ist-Verbräuche, 14 Monate nach dem ersten.

Smart Meter verschieben die Grenze

Das standardisierte Lastprofil war immer eine Krücke, eine gut kalibrierte allerdings. Mit dem Smart-Meter-Rollout, der in Österreich bei rund 97 Prozent der Zählpunkte angekommen ist, wird die Krücke seltener gebraucht: Smart Meter erfassen Viertelstundenwerte auch bei Kleinkunden. Seit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz vom Dezember 2025 werden diese Werte standardmäßig übertragen, nicht mehr nur nach Zustimmung. Für die Bilanzierung treten damit zunehmend echte Messwerte an die Stelle der synthetischen Profile.

Wie hängen Netzebene und Lastprofil zusammen?

Direkt gekoppelt sind die beiden nicht. Die Netzebene beschreibt den physischen Anschlusspunkt, das Lastprofil den zeitlichen Verlauf; ein Zählpunkt hat immer beides.

In der Praxis laufen sie trotzdem parallel zur Betriebsgröße. Wer über der Grenze von 100.000 kWh und 50 kW liegt, wird leistungsgemessen und sitzt häufig auf Netzebene 5 oder höher. Ein Haushalt ist der Gegenpol: Netzebene 7, Profil H0.

Auf der Rechnung greifen beide ineinander. Die Netzebene bestimmt, welche Tarifstufe für Netznutzungs-, Netzverlust- und Messentgelt gilt. Die Messart bestimmt die Struktur: Leistungsgemessene Kunden zahlen neben dem Arbeitspreis einen Leistungspreis für die höchste gemessene Viertelstundenleistung, Kunden mit Standardlastprofil zahlen pauschale Sätze pro kWh. Und beim Energiepreis selbst macht das gemessene Profil individuelle Angebote möglich, weil der Lieferant die Beschaffung am tatsächlichen Verbrauchsverlauf ausrichten kann. Ein Betrieb, der vor allem nachts Strom zieht, bekommt anders kalkulierte Konditionen als einer mit Mittagsspitze.

Beide Angaben findest du auf der Netzrechnung beziehungsweise der Jahresabrechnung: die Netzebene bei den Netzentgelten, die Messart und das zugeordnete Profil bei den Daten zum Zählpunkt. Wenn du ein Energieangebot prüfen oder einholen willst, brauchst du genau diese Seiten.